Linie 66: Geheimer Halt zwischen Hauptbahnhof und Suttnerplatz sorgt für Verwirrung | Rheinische Tagespost

Linie 66: Geheimer Halt zwischen Hauptbahnhof und Suttnerplatz sorgt für Verwirrung

Fahrgäste sind verwirrt

Fahrgäste sind verwirrt

Bonn – Völlig verzweifelt steht Irmgard R. (56) am Bahnsteig. „Ich wollte eigentlich zum Hauptbahnhof, so die Beuelerin. „Das ist doch der Halt nach dem Sutternplatz.“ Doch als sie ausstieg, erwarteten sie statt angenehmer Untergrundatmosphäre triste Betonwände.

Kein Einzelfall! Bis zu Hundert ratlose Fahrgäste warten seit dem 29. Juni regelmäßig am Tag auf dem Bahnsteig am Stadthaus, blickend suchend umher. Wo genau der neue Halt herkommt, was sein Zweck ist – Experten sind ratlos. Klar ist nur: Seit etwa 8 Monaten wird an dem Ort gegraben, neue Wände und Mauern freigelegt, und seit kurzem halten dort die Straßenbahnen.

Forscherteam rätselt über Fund

Derzeit finden Grabungsarbeiten vor Ort statt

Derzeit finden Grabungsarbeiten vor Ort statt

Um das Mysterium zu ergründen, ist derzeit ein interdisziplinäres Forscherteam bestehend aus Archäologen, Verkehrsexperten und  Verhaltensforschern vor Ort. „Als nach und nach der Bau freigelegt wurde, hielten wir die Konstruktion erst für eine alte Kultstätte. Doch dann begannen die Straßenbahnen dort zu halten, woraufhin sich vorsichtig auch Kunden nähern. Es ist ein fantastisches Untersuchungsgebiet für uns als Verhaltensforscher“, berichtet James K. Coral von der kalifornischen Cromwell University.

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Linie 61 hält jetzt im Untergrund

„Vielleicht halten die Bahnen aber auch erst, seitdem dort Menschen warten. Genau sagen kann man das noch nicht. Die Folgen sind jedenfalls kurios, das geht sogar soweit, dass inzwischen Bahnlinien dorthin fahren, die eigentlich ganz andere Ziele hatten , als ob sie magisch angezogen werden.“ So wurden sogar Bahnen der Linie 61 gesehen, die aus dem Tiefbahnhof hinauf kommen. „Das hat es früher nicht gegeben. So wurde der Halt „Thomas-Mann-Straße“ aufgegeben.“ Aber es gäbe offenbar auch Strecken, die den neuen Halt meiden. „Fahrgäste, die hingegen aus Beuel die 62 benutzen, landen statt in Dottendorf an der LVR-Klinik. „Warum eine solche Linienrotation stattfand, und ob es etwas mit dem neuen Halt zu tun, das wissen wir noch nicht. Wir forschen allerdings intensiv daran.“

Die Wissenschaftler hoffen, in einigen Jahren eine plausible Erklärung für das neue Bauwerk und seine kultische Bedeutung zu finden.

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