Bonn: Seltene Fledermauspopulation in der Uni-Tiefgarage entdeckt | Rheinische Tagespost

Bonn: Seltene Fledermauspopulation in der Uni-Tiefgarage entdeckt

MyotisBonn – Sie haben große Ohren, lange Schwingen und spitze Zähne: das Große Mausohr (Myotis myotis), eine eher seltene Fledermausart in NRW. Jetzt entdeckten  Zoologen des Museums König sie bei einem Abstieg in das Höhlensystem der Uni-Tiefgarage.

Noch immer kann Fledermausexperte Björn Kremensacker (55) sein Glück nicht fassen. „Diese Fledermausart hat sich höchstwahrscheinlich wegen der Feuchtigkeit an den Wänden und den Stalagtiten, die in den letzten Jahren hier entstanden sind, angesiedelt“, so Kremensacker. Zudem brauche diese Art Wärme, was dank der nahen Ubahn-Tunnel gegeben sei. Rund 400 Tiere sind es inzwischen.

Die ehemalige Tiefgarage an der Universität wurde vor rund einem halben Jahrzehnt geschlossen wegen mangelnder Nachfrage geschlossen und in ein vorübergehendes Biotop umgewandelt. Ziel war es, den Verfall der Infrastruktur und die Phasen unterirdischer Renaturierung zu beobachten. Das Experiment sollte eigentlich 2020 beendet sein. Bis dahin wollte der Bauherr, der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, den Bau saniert haben.

Wegen der Ansiedlung aber könnten diese Pläne womöglich auf Eis gelegt und die Wiedereröffnung erneut verschoben werden, meint ein Sprecher des Landesumweltministeriums: „Solche Fledermäuse in NRW zu entdecken ist eine außergewöhnliche Sache. Wir müssen prüfen, wie sie den neuen Lebensraum annehmen.“ Pech für die Autofahrer? Der Sprecher winkt ab. „Das Bauende 2019 war ja sowieso nur eine weitere Schätzung. Ich glaube nicht, dass es den Bonnern auffällt, ob man für die Sanierung einer Tiefgarage jetzt zehn oder zwanzig Jahre braucht.“

Das Große Mausohr

Das Große Mausohr wird bis zu 8 Zentimeter lang und hat eine Flügelspannweite von bis zu 43 Zentimeter. Die auch Riesenfledermaus genannte Art war einst weit in NRW verbreitet, heute ist sie eher selten geworden. Die nachtaktiven Jäger suchen hauptsächlich im Wald nach Bodenkäfern.

Foto: „Myotis“ von Urheber: Manuel Werner, Germany, Wikipedia-Kontakt. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

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