Nach Lärmklage: Rheinufer vorsorglich abgebaut | Rheinische Tagespost

Nach Lärmklage: Rheinufer vorsorglich abgebaut

Endlich ruhig: Das neugestaltete Rheinufer in Beuel

Endlich ruhig: Das neugestaltete Rheinufer in Beuel

Bonn-Beuel – Endlich ist der nachbarschaftliche Friede wiederhergestellt: Gestern ließ die Bonner Stadtverwaltung das gesamte Beueler Rheinufer abbauen. Wo vorher Wege, Sitzbänke und Grünflächen waren, endet das Wasser des Stroms jetzt an einer hohen Mauer. Grund waren wiederholte Klagen über zu laute Besucher, Jogger und Spaziergänger gewesen.

Die Anwohner sind zufrieden: „Besonders tagsüber war es oft unerträglich“, berichtet etwa Rainer Koroslowski. „Ich bin zwar kein Motzki, aber das elende Schnaufen der vielen Läufer, das Schnattern der Enten, das Plärren der Kinder und die Mütter, die schwatzend auf den Bänken sitzen – das war einfach unerträglich!“ Regelmäßig habe er sich bereits bei der Stadt beschwert. „Besonders schlimm ist es an den vielen Bänken, die überall laute Leute anlockten“, so der 57-Jährige. „Das waren wahre Brutstätten des Lärms.“ Nur das Schwappen der Wellen störe noch ein bisschen. „Aber damit muss ich wohl vorerst leben.“

Nach Angaben des Stadtordnungsdienstes wurden bei Kontrollen in den letzten Monaten immer wieder Personen angetroffen, die am Rheinufer unterwegs waren. Im Sommer sei es sogar so laut gewesen, dass die Mittags- und Nachtruhe gestört wurde. „Klar hätten wir auch mit Platzverweisen arbeiten können, die auch durchgesetzt werden würden“, meint  ein Sprecher der Stadtverwaltung. „Doch nur mit der Entfernung des gesamten Rheinufers konnte man das Problem endgültig lösen, und der NRW-Lärmschutzverordnung vollständig entsprechen.“

Die Bezirksvertretung Beuel, die dem Vorgang zwar zugestimmt hatte, ist jetzt entsetzt über die Folgen der eigene Entscheidung. „Wir haben das zwar als Kompromiss beschlossen, nachdem wir jahrelang zwischen einer winzigen Gruppe Lärmmotzkis, die zwischen der lauten Kennedybrücke und dem Rheinufer wohnen, und den Interessen der Stadtbevölkerung vermittelt haben. Aber wir haben doch nicht gedacht, dass unsere  Stadtverwaltung irgendwann die von uns getroffenen Beschlüsse auch wirklich umsetzt“, teilt das Büro des Bezirksbürgermeisters Guido Déus mit.

Jetzt überlegt man, wie man das Rheinufer wieder attraktiv gestalten kann, ohne dass es von Menschen, die Lärm machen, auch benutzt wird.

Auch die schöne Uferanlage, die aktuell in einer Duisdorfer Halle eingelagert wird, soll wiederverwendet werden. Die Stadt verweist darauf, dass das Rheinufer bald an anderer Stelle wieder aufgebaut wird. Wo genau, sei noch unklar, da der gesamte Rhein wegen wiederholter Lärmbeschwerden ausfällt. „Wir sondieren gerade einige Stellen an den Ufern des Endenicher Bachs, des Melbbachs und des Godesberger Bachs“, so der Sprecher.

Übrigens: Sollte die aktuell getroffene Maßnahme nicht ausreichen, wird überlegt, Beuel bis zum Ennert abzubauen.

 

Bild: Rheinlandpost / CC BY-SA 2.0 DE, mit Material von Nicolas17, CC BY-SA 2.0 DE via Wikipedia und Rolf Heinrich, Köln, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

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