WCCB-Skandal und Stadtarchiv: Neuer Verdächtiger im Visier | Rheinische Tagespost

WCCB-Skandal und Stadtarchiv: Neuer Verdächtiger im Visier

Köln / Bonn – Im WCCB-Skandal gibt es offenbar einen neuen Hauptverdächtigen: Erst letzte Woche stellte die Bonner Wirtschaftsstrafkammer den WCCB-II-Prozess gegen zwei städtische Mitarbeiter gegen Zahlung einer Geldstrafe ein. Es sei unwahrscheinlich, Betrugsanklage zu beweisen, so der Tenor des Gerichts. Man habe alles getan, um das Projekt zu retten.

Doch inzwischen scheint klar: Neben dem bereits verurteilten Investor gibt es einen mächtigen Hintermann! Nach Recherchen der Rheinischen Tagespost konzentrieren sich Ermittler im ganzen Rheinland auf einen neuen Verdächtigen. NRW-Chefermittler Robert Rensenberger berichtet auf Anfrage: „Wir haben es offenbar mit einem kriminellen Mastermind zu tun, der seit Jahren im Rheinland und im gesamten Bundesgebiet sein Unwesen treibt. Wir sind ihm auf der Spur.“ Namen wolle er aber nicht nennen.

Ein seltenes Bild des Nubbels. © Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

Ein seltenes Bild des Nubbels.
© Superbass / CC-BY-SA-3.0
(via Wikimedia Commons)

Kölsche Strafverfolgungs-Insider bestätigen der Rheinischen Tagespost aber hinter vorgehaltener Hand: „Mer sin uns sicher, dat wor dä Nubbel!“ Schlimm: Der 55-jährige Schwerstkriminelle soll nicht nur für das WCCB-Fiasko verantwortlich sein. Unter anderem soll er auch beim Baupfusch der Nord-Süd-Stadtbahn in Köln eine tragende Rolle gespielt haben, so die These des Kölner Ermittlers. „Et passt einfoch all zosamme: Beide Bauprojekte han nahezo zeitglich begonne, bei beiden jeiht et öm Baujeschichte un Bedroch un emme schingk nimmes verantwortlich för dat Fiasko gewesen ze sin (Es passt einfach alles zusammen: Beide Bauprojekte haben nahezu zeitgleich begonnen, bei beiden geht es um Baugeschichten und Betrug und immer scheint niemand verantwortlich für das Fiasko gewesen zu sein).“

Wer hinter dem Tarnnamen „Nubbel“ steckt, ist nicht bekannt. Doch in Köln ist man seit Jahren über sein Wirken empört, macht ihm immer wieder den Prozess. Vergeblich, immer wieder taucht er auf, um ein neues Ding zu drehen. „Wir prüfen derzeit, ob er nicht auch bei anderen Projekten im Rheinland, etwa der Flora-Sanierung, seine Finger im Spiel hat“, so der Insider.

Zwar ist der Nubbel derzeit noch auf der Flucht. Aber ein Prozesstermin wurde bereits angesetzt, das Urteil wird nach nur einem Prozesstag am 9. Februar 2016 fallen. „Wir brauchen einen schnellen Abschluss bei all den vielen Skandalen, damit die Öffentlichkeit einen Verantwortlichen hat und beruhigt wieder dem Tagwerk nachgehen kann“, so Chefermittler Rensenberger.

 

Vorwürfe aus dem gesamten Bundesgebiet

Der Mann ist sehr aktiv, spielt im Rheinland bei nahezu allen Verfehlnissen eine Rolle. So soll er öfters bei Nacht mit schwerem Gerät über Rheinbrücken, Ausfallstraßen und Autobahnen fahren und damit teure Infrastruktur zerstören, wurde auch schon beim Zerkratzen von KVB-Scheiben in Bussen beobachtet. Laut Deutscher Bahn verzögert er regelmäßig den Betriebsablauf, was zu schlimmen Verspätungen führt. Seit Jahrzehnten werfen ihm Männer vor, er habe sie in Kneipen entführt, abgefüllt und dann den gesamten Wochenlohn geklaut. Der Nubbel soll zudem Antänzer ausbilden.

Vermutlich treibt er aber nicht nur im Rheinland, sondern im gesamten Bundesgebiet sein Unwesen! So haben sich inzwischen auch Hamburger Ermittler eingeschaltet: Sie glauben, dass der millionenschwere Nubbel auch beim Pfusch an der Elbphilharmonie mitgewirkt und beste Beziehungen in die Politik haben soll.

Auch bei Stuttgart 21 könnte der Nubbel mitgewirkt haben. BW-Innenminister Reinhold Gall erklärt empört: „Wir haben zwar überhaupt keinen Anlass, Ermittlungen in diese Richtung aufzunehmen. Aber irgendwer muss ja Schuld haben. Und jeder könnte der Nubbel sein! Wir werden deshalb alle Maßnahmen in Gang setzen, um den Verbrecher zu fassen und zu verurteilen.“ Auf die Frage, ob das nicht ein Eingriff in die Verhältnismäßigkeit der Strafverfolgung sei, antwortet er barsch: „Ich verzichte gerne auf vermeintliche Rechte wenn wir einen Nubbel überführen.“

Kommt der Nubbel etwa für jeden Skandal in Frage, etwa auch für den Berliner Flughafen oder die neue BND-Zentrale in Frage? „Nein“, so der NRW-Justizinsider. „Der Nubbel war noch nie in Berlin. In der Hauptstadt herrscht einfach nur Unfähigkeit vor.“

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