„Pläne überzeugen nicht“: Initiative will Bonner Loch retten | Rheinische Tagespost

„Pläne überzeugen nicht“: Initiative will Bonner Loch retten

Bonn – Das Bonner Loch soll verschwinden, die Südüberbauung abgerissen werden, dafür zwei schicke neue Bauten entstehen – das sind die Pläne zweier Investoren. Für Bürger Rudolf Blenkle (58) ein Graus: Er hat sich mit den Plänen beschäftigt.

Und sie überzeugen ihn nicht: „Das sind zwei seelenlose Malls, die nur Kommerz bieten. Für das städtische Leben, dass es dank der kulturellen Freiflächen am Bonner Loch gibt, wäre das der Todesstoß.  Das Bonner Loch ist Treffpunkt für viele Menschen mit unterschiedlichstem sozialen Hintergrund!“ meint er.

Auch besucherisch sei dies nicht gut für die Bundesstadt. „Das Bonner Loch ist touristischer und kultureller Anziehungspunkt und weithin über die Stadtgrenzen berühmt. Fast alle Touristen, die am Hauptbahnhof ankommen, besuchen es, bevor sie etwa zum Beethovenhaus oder zur Bonn-Info gehen“, hat er herausgefunden. Irgendwo habe er sogar gelesen, es solle Weltkulturerbe werden. „Und das setzt man aufs Spiel“, fragt er.

Auch die eingesessenen Händler in der Südüberbauung droht die Kündigung. „Das kann nicht sein, das sind Läden, die weithin bekannt sind. Etwa Calador. Oder der Bäcker am U-Bahn-Eingang“, so der engagierte Bürger, der oft das Bonner Loch besucht, wenn er zur Arbeit durch muss.

Deshalb hat er mit anderen, die Bonn lieben, die Initiative „Bravo Bonner Loch – gegen den Ausverkauf des Klanggrunds“ gestartet. Er will jetzt gegen die Pläne der Investoren vorgehen.

„Wir wurden von dem Vorhaben sowieso total überrascht. Dass das Ding umgebaut werden soll, darüber wurde doch nie gesprochen. Der Bürger wurde mal wieder nicht gefragt, was da hin soll! Das ist doch hinter geheimen Türen ausgehandelt worden“, so Blenkle, der keine Zeitung liest und sich „nicht so sehr“ für Kommunalpolitik interessiert. Er fordert eine Bürgerwerkstatt, bei der er sich auch selbst mit seinen Ideen einbringen kann.

Zusammenfassend erklärt er: „Wir sind nicht gegen einen Neubau. Nur ist das, was hier gebaut werden soll, nicht so gut wie das, was wir uns in unseren Träumen wünschen“, so Blenkle. „Wir brauchen da kulturelle Freiräume, einen Park mit Brunnen, kleinteilige Geschäfte, ein Gründerzentrum, günstige Wohnungen, das ganze im schönen Jugenstil-Stil, damit es zum Hauptbahnhof passt. Wie das, was früher mal dort stand.  Und nicht noch mehr Einkaufsflächen!“ Und: „Wir glauben nicht, dass zwei Malls auch nur ansatzweise herankommen an das, was möglich ist.“

Die erste Demo ist für Mittwoch, 18:00 Uhr geplant. „Wir hoffen, dass alle bunt gekleidet kommen, mit grünen Luftballons.“ Geplant sind weitere Demos und Bürgerfeste mit Livemusik, um das Potential des Lochs zu betonen. „Parken ist ja aktuell noch kein Problem“, meint er, verweist auf den ebenfalls wegzufallen drohenden Parkplatz.

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