Nach Anwohnerbeschwerden: Ordnungsamt beendet G20-Vortreffen | Rheinische Tagespost

Nach Anwohnerbeschwerden: Ordnungsamt beendet G20-Vortreffen

Bonn – Noch immer zittert Reinold Mertens (58) Stimme: Seit zwei Tagen findet er keine Nachmittagsruhe. Stundenlang röhrten die Hubschrauber über seinem Haus. „Es ist einfach unerträglich“, berichtet er, klagt über Erschöpfungszustände

Und er ist nicht der einzige, der die Lärmmotzki-Hotline wählte: Nach massiven Anwohnerbeschwerden zieht das Ordnungsamt jetzt die Reißleine: Das G20 Treffen der Außenminister endet am Freitag. Alle Gäste müssen bis zum Abend abgereist sein, bei weiteren Störungen droht eine Beschlagnahmung der Konferenzanlage im WCCB.

Doch nicht nur die Hubschrauberrundflüge der Gäste waren Grund für den Abbruch des Treffens. „Viele Bürger beschwerten sich über die massiven Staus auf der B9“, heißt es in der Meldung der Stadt. Der stadtweite Nahverkehr sei dadurch nahezu zusammengebrochen. Bürger hätten sich bei der Hotline des Ordnungsamts gemeldet. Auch die Lärmpolizei in den Rheinauen registrierte eine erhöhte Zahl von Meldungen. Doch es ging dabei nicht nur um Lärm: Viele aufgebrachte Passanten und Jogger standen vor gesperrten Wegen.

Und: Dass die Minister die gesperrten Straßen für ihre Kolonnen nutzen konnten, war vielen Bürgern ein Dorn im Auge. In sozialen Medien wird von regelrechten Rennen auf der B9 berichtet, die sich die Fahrer in ihren Schickimicki-Karren mit Motorradpolizisten geliefert haben sollen. Zu den Staus und dem Hubschrauberlärm klagten Anwohner zudem noch über Parkplatzprobleme.

Lärm, Staus, Autorennen mit der Polizei, Parkplatzmangel: Bei der Stadt zeigt man sich kleinlaut. „Wir hätten die Bonner mehr informieren müssen über die hohen Staatsbesuche. Offenbar sind es die Bewohner nicht mehr gewohnt, dass solche Großereignisse in der ehemaligen Hauptstadt stattfinden, und wurden nicht ausreichend durch die Medien informiert.“

Für den anstehenden Klimagipfel überlegt man daher, durch mehrere Infoabende in Schul-Turnhallen und über Wurfsendungen die Bürger besser über Großereignisse mit globalem Charakter zu informieren.

Mertens freut die gute Nachricht: „Es ist schön zu hören, dass man in Bonn die Belange der Bürger achtet.“ Und fügt hinzu: „Früher hätte es sowas nicht gegeben.“

Foto: Pixabay cc0 /SD-Pictures

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